Eigenheit 1: Meldungsarten sind nicht dasselbe wie Ausschreibungen
Auf simap.ch stehen nicht nur laufende Ausschreibungen. Publiziert werden unter anderem:
- Ausschreibung — das offene oder selektive Verfahren, auf das Sie anbieten können.
- Zuschlag — wer den Auftrag bekommen hat, oft mit Auftragssumme. Für die Marktbeobachtung die interessanteste Meldungsart.
- Freihändige Vergabe — ein Auftrag, der ohne Wettbewerb vergeben wurde. Für Sie zu spät, aber aufschlussreich.
- Vorankündigung — ein Verfahren, das kommt. Der beste Zeitpunkt, um Kapazität zu planen.
- Teilnehmerauswahl, Wettbewerb, Berichtigung, Abbruch — Zwischenschritte, die den Stand eines laufenden Verfahrens ändern.
Wer nur nach „Ausschreibung" filtert, verpasst die Vorankündigungen — und damit den einzigen Vorlauf, den das System hergibt.
Wie viel davon überhaupt bebietbar ist
Die Verteilung ist deutlicher, als man erwartet. 2026 sind auf simap.ch 14'936 Schweizer Meldungen erschienen — aber nur ein Drittel davon sind Ausschreibungen, auf die Sie anbieten können:
| Meldungsart | Anzahl | Was sie für Sie bedeutet |
|---|---|---|
| Zuschlag | 6'905 | vorbei — aber die beste Quelle über Ihren Markt |
| Ausschreibung | 5'235 | hier können Sie anbieten |
| Freihändige Vergabe | 1'804 | ohne Wettbewerb vergeben |
| Abbruch | 443 | Verfahren beendet, oft vor Fristende |
| Anfrage / Marktabklärung | 188 | Vorstufe, Teilnahme lohnt sich |
| Vorankündigung | 155 | der einzige echte Vorlauf |
| Wettbewerb, Teilnehmerauswahl, Studienauftrag, Widerruf | 206 | Sonderformen |
Bemerkenswert sind die 1'804 freihändigen Vergaben: mehr als jede vierte vergebene Leistung geht ohne Wettbewerb weg. Sie sind für ein Angebot zu spät und trotzdem die Mühe wert — sie zeigen, welche Vergabestelle mit wem arbeitet, und das ist die Information, die vor der nächsten Ausschreibung zählt.
Verteilt sind die 5'235 Ausschreibungen auf 2'068 verschiedene Auftraggeber. Es gibt also keine zehn Stellen, deren Beobachtung genügen würde.
Freitags erscheint die Hälfte der Woche
Die Publikation folgt einem Takt, den niemand ausschreibt:
| Wochentag | Ausschreibungen 2026 | Anteil |
|---|---|---|
| Montag | 713 | 13,6 % |
| Dienstag | 856 | 16,4 % |
| Mittwoch | 856 | 16,4 % |
| Donnerstag | 963 | 18,4 % |
| Freitag | 1'484 | 28,3 % |
| Samstag / Sonntag | 363 | 6,9 % |
Am Freitag erscheinen fast doppelt so viele Ausschreibungen wie an einem Dienstag. Wer freitagnachmittags kurz nachsieht und danach ins Wochenende geht, verliert die drei Tage, in denen die Frist bereits läuft — bei einer 30-Tage-Frist ist das ein Zehntel der Zeit. Ein Montagmorgen-Blick ist die schlechtere Gewohnheit als sie aussieht.
Eigenheit 2: Dieselbe Leistung heisst überall anders
Ausschreibungstexte sind Verwaltungssprache und regional geprägt. Fachplanung Gebäudetechnik, HLKS-Planerleistungen, Haustechnik Gesamtleistung — dreimal dasselbe, dreimal andere Stichworte. Dazu kommt, dass Titel häufig das Bauwerk nennen und nicht die Leistung: „Sanierung Schulanlage Feldmatt" verrät nicht, dass darin Ihre Disziplin steckt.
Zwei Handgriffe helfen:
- Über CPV-Codes suchen statt über Wörter. Die Codes sind sperrig, aber sie sind das einzige einheitliche Merkmal. Es lohnt sich, die fünf bis zehn Codes des eigenen Geschäfts einmal sauber zu bestimmen.
- Mehrere gespeicherte Suchen statt einer grossen. Eine Suche, die alles findet, findet auch alles Übrige. Drei bis fünf enge Suchen je Geschäftsfeld sind praktikabler als eine breite.
Eigenheit 3: Die Schweiz publiziert dreisprachig
Ausschreibungen aus der Romandie und dem Tessin erscheinen auf Französisch und Italienisch. Wer nur deutsche Stichworte sucht, blendet damit einen erheblichen Teil des Marktes aus — nicht, weil er dort nicht anbieten könnte, sondern weil er ihn nie sieht.
„Erheblich" heisst konkret: Von den 5'235 Ausschreibungen des Jahres 2026 sind 3'291 deutsch (62,9 %), 1'797 französisch (34,3 %) und 121 italienisch (2,3 %). Eine rein deutschsprachige Suche übersieht also gut ein Drittel des Marktes.
Das deckt sich mit der Verteilung nach Kantonen: Auf Zürich entfallen 878 Ausschreibungen, auf die Waadt 727, auf Bern 590 und auf Genf 529. Die beiden welschen Kantone zusammen liegen vor Zürich — wer sie ausblendet, blendet den grösseren Teil aus.
Alle Zahlen dieses Beitrags stammen aus dem Bestand, den Tenderis seit dem 1. Juli 2024 von simap.ch erfasst; Stand 21. September 2026. Ausgezählt sind die Schweizer Meldungen mit Publikationsdatum im Jahr 2026.
Und dann die eigentliche Arbeit
Suchen ist der leichtere Teil. Der aufwendige beginnt danach: Unterlagen beziehen, Kriterien herauslesen, prüfen, ob man die Eignung überhaupt erfüllt. Wer das für jede halbwegs passende Ausschreibung von Hand macht, macht es irgendwann gar nicht mehr — und genau dann verpasst man die Verfahren, die man hätte gewinnen können.