Praxis · 19. August 2026 · aktualisiert 21. September 2026

simap.ch: Ausschreibungen finden, ohne täglich zu suchen

simap.ch ist gut gefüllt und schlecht durchsuchbar — jedenfalls dann, wenn man mit den falschen Erwartungen hingeht. Drei Eigenheiten erklären fast alle verpassten Ausschreibungen.

Eigenheit 1: Meldungsarten sind nicht dasselbe wie Ausschreibungen

Auf simap.ch stehen nicht nur laufende Ausschreibungen. Publiziert werden unter anderem:

Wer nur nach „Ausschreibung" filtert, verpasst die Vorankündigungen — und damit den einzigen Vorlauf, den das System hergibt.

Wie viel davon überhaupt bebietbar ist

Die Verteilung ist deutlicher, als man erwartet. 2026 sind auf simap.ch 14'936 Schweizer Meldungen erschienen — aber nur ein Drittel davon sind Ausschreibungen, auf die Sie anbieten können:

Schweizer Meldungen auf simap.ch mit Publikationsdatum 2026, Stand 21. September 2026.
MeldungsartAnzahlWas sie für Sie bedeutet
Zuschlag6'905vorbei — aber die beste Quelle über Ihren Markt
Ausschreibung5'235hier können Sie anbieten
Freihändige Vergabe1'804ohne Wettbewerb vergeben
Abbruch443Verfahren beendet, oft vor Fristende
Anfrage / Marktabklärung188Vorstufe, Teilnahme lohnt sich
Vorankündigung155der einzige echte Vorlauf
Wettbewerb, Teilnehmerauswahl, Studienauftrag, Widerruf206Sonderformen

Bemerkenswert sind die 1'804 freihändigen Vergaben: mehr als jede vierte vergebene Leistung geht ohne Wettbewerb weg. Sie sind für ein Angebot zu spät und trotzdem die Mühe wert — sie zeigen, welche Vergabestelle mit wem arbeitet, und das ist die Information, die vor der nächsten Ausschreibung zählt.

Verteilt sind die 5'235 Ausschreibungen auf 2'068 verschiedene Auftraggeber. Es gibt also keine zehn Stellen, deren Beobachtung genügen würde.

Freitags erscheint die Hälfte der Woche

Die Publikation folgt einem Takt, den niemand ausschreibt:

WochentagAusschreibungen 2026Anteil
Montag71313,6 %
Dienstag85616,4 %
Mittwoch85616,4 %
Donnerstag96318,4 %
Freitag1'48428,3 %
Samstag / Sonntag3636,9 %

Am Freitag erscheinen fast doppelt so viele Ausschreibungen wie an einem Dienstag. Wer freitagnachmittags kurz nachsieht und danach ins Wochenende geht, verliert die drei Tage, in denen die Frist bereits läuft — bei einer 30-Tage-Frist ist das ein Zehntel der Zeit. Ein Montagmorgen-Blick ist die schlechtere Gewohnheit als sie aussieht.

Eigenheit 2: Dieselbe Leistung heisst überall anders

Ausschreibungstexte sind Verwaltungssprache und regional geprägt. Fachplanung Gebäudetechnik, HLKS-Planerleistungen, Haustechnik Gesamtleistung — dreimal dasselbe, dreimal andere Stichworte. Dazu kommt, dass Titel häufig das Bauwerk nennen und nicht die Leistung: „Sanierung Schulanlage Feldmatt" verrät nicht, dass darin Ihre Disziplin steckt.

Zwei Handgriffe helfen:

  1. Über CPV-Codes suchen statt über Wörter. Die Codes sind sperrig, aber sie sind das einzige einheitliche Merkmal. Es lohnt sich, die fünf bis zehn Codes des eigenen Geschäfts einmal sauber zu bestimmen.
  2. Mehrere gespeicherte Suchen statt einer grossen. Eine Suche, die alles findet, findet auch alles Übrige. Drei bis fünf enge Suchen je Geschäftsfeld sind praktikabler als eine breite.

Eigenheit 3: Die Schweiz publiziert dreisprachig

Ausschreibungen aus der Romandie und dem Tessin erscheinen auf Französisch und Italienisch. Wer nur deutsche Stichworte sucht, blendet damit einen erheblichen Teil des Marktes aus — nicht, weil er dort nicht anbieten könnte, sondern weil er ihn nie sieht.

„Erheblich" heisst konkret: Von den 5'235 Ausschreibungen des Jahres 2026 sind 3'291 deutsch (62,9 %), 1'797 französisch (34,3 %) und 121 italienisch (2,3 %). Eine rein deutschsprachige Suche übersieht also gut ein Drittel des Marktes.

Das deckt sich mit der Verteilung nach Kantonen: Auf Zürich entfallen 878 Ausschreibungen, auf die Waadt 727, auf Bern 590 und auf Genf 529. Die beiden welschen Kantone zusammen liegen vor Zürich — wer sie ausblendet, blendet den grösseren Teil aus.

Datengrundlage

Alle Zahlen dieses Beitrags stammen aus dem Bestand, den Tenderis seit dem 1. Juli 2024 von simap.ch erfasst; Stand 21. September 2026. Ausgezählt sind die Schweizer Meldungen mit Publikationsdatum im Jahr 2026.

Und dann die eigentliche Arbeit

Suchen ist der leichtere Teil. Der aufwendige beginnt danach: Unterlagen beziehen, Kriterien herauslesen, prüfen, ob man die Eignung überhaupt erfüllt. Wer das für jede halbwegs passende Ausschreibung von Hand macht, macht es irgendwann gar nicht mehr — und genau dann verpasst man die Verfahren, die man hätte gewinnen können.

Gespeicherte Suchkampagnen in Tenderis, je mit Stichworten, Trefferzahl und der Zahl neu hinzugekommener Ausschreibungen.
Gespeicherte Suchen mit Trefferhistorie: Sie sehen nur, was seit dem letzten Blick neu ist.

Häufige Fragen

Was ist simap.ch?

Das gemeinsame Publikationsorgan von Bund, Kantonen und Gemeinden für öffentliche Beschaffungen in der Schweiz. Wer öffentlich ausschreibt, publiziert dort — das macht simap.ch für Schweizer Anbieter zur einzigen Quelle, die man wirklich braucht.

Kostet die Nutzung von simap.ch etwas?

Die Publikationen sind öffentlich einsehbar. Für den Bezug der Unterlagen zu einem konkreten Verfahren ist in der Regel eine Anmeldung und eine Interessensbekundung nötig.

Warum finde ich Ausschreibungen nicht, die zu mir passen?

Meist wegen der Wortwahl. Vergabestellen benennen dieselbe Leistung sehr unterschiedlich, und die Stichwortsuche findet nur, was wörtlich übereinstimmt. Zusätzlich publiziert die Schweiz auf Deutsch, Französisch und Italienisch.

Wie viele Ausschreibungen erscheinen pro Jahr auf simap.ch?

2026 sind bis zum 21. September 14'936 Schweizer Meldungen erschienen. Davon sind 5'235 Ausschreibungen, auf die man anbieten kann — der grössere Teil sind Zuschläge (6'905) und freihändige Vergaben (1'804).

An welchem Wochentag wird publiziert?

Ungleich verteilt: Auf den Freitag entfallen 28,3 Prozent aller Ausschreibungen, auf den Dienstag 16,4. Wer nur montags nachsieht, verliert bei den Freitagspublikationen drei Tage Bearbeitungszeit.

Muss ich auch französische Ausschreibungen durchsuchen?

Wenn Sie den Markt sehen wollen, ja. 34,3 Prozent der Schweizer Ausschreibungen des Jahres 2026 sind französischsprachig, 2,3 Prozent italienisch. Eine rein deutsche Stichwortsuche übersieht gut ein Drittel.

Einmal einrichten statt täglich suchen

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