Die vier Termine, in der Reihenfolge ihres Ablaufs
| Termin | Was er bedeutet | Was danach nicht mehr geht |
|---|---|---|
| Begehung | Besichtigung des Objekts, oft mit Anwesenheitspflicht | Teilnahme — bei Pflicht meist gleichbedeutend mit Ausschluss |
| Fragefrist | Letzter Tag für Fragen im Forum des Verfahrens | Unklarheiten klären; was offen bleibt, bleibt Ihr Risiko |
| Eingabefrist | Abgabe des Angebots, Datum und Uhrzeit | alles |
| Bindefrist | Zeitraum, in dem Ihr Angebot verbindlich bleibt | Preisanpassungen — sie gilt über den Zuschlag hinaus |
Warum die Fragefrist die teuerste ist
Der übliche Ablauf sieht so aus: Die Ausschreibung wird gesichtet, als interessant abgelegt und zwei Wochen später gründlich gelesen — üblicherweise dann, wenn mit dem Schreiben begonnen wird. Genau in diesem Moment fallen die Unklarheiten auf. Und genau dann ist die Fragefrist häufig schon vorbei.
Die Folgen sind unangenehm: Eine Anforderung, die zwei Auslegungen zulässt, muss man ohne Rückfrage beantworten. Rät man falsch, verliert man Punkte oder wird ausgeschlossen — für einen Fehler, der mit einer Frage vermeidbar gewesen wäre.
Die Unterlagen einmal gründlich lesen, sobald sie vorliegen — nicht, wenn das Angebot geschrieben wird. Das ist der ganze Trick, und er wird selten befolgt.
Wie lang die Eingabefrist in der Praxis ist
Über die Mindestfristen sagt das Gesetz etwas, über die tatsächlichen Fristen nicht. Wir haben deshalb ausgezählt, was 2026 wirklich publiziert wurde: 5'235 Schweizer Ausschreibungen auf simap.ch, gerechnet vom Publikationstag bis zum Eingabetermin.
Der Mittelwert liegt bei 42 Tagen, der Median bei 41 — die Verteilung ist also nicht von einzelnen Ausreissern verzogen. Sie ist aber breiter, als die Zahl vermuten lässt:
| Zeit bis zur Eingabe | Ausschreibungen | Anteil |
|---|---|---|
| bis 20 Tage | 280 | 5,3 % |
| 21 – 30 Tage | 761 | 14,5 % |
| 31 – 40 Tage | 1'310 | 25,0 % |
| 41 – 50 Tage | 1'931 | 36,9 % |
| 51 – 60 Tage | 494 | 9,4 % |
| über 60 Tage | 459 | 8,8 % |
Die praktische Folge steht in der ersten Zeile: Jede fünfte Ausschreibung (19,8 %) gibt Ihnen höchstens 30 Tage, und rund jede zwanzigste höchstens 20. Wer erst nach zwei Wochen gründlich liest, hat in diesen Fällen die Fragefrist bereits verpasst — sie liegt typischerweise im ersten Drittel der Laufzeit. Die kürzeste gemessene Frist betrug null Tage (Publikation und Eingabetermin am selben Tag), die längste 330.
Jede zehnte Ausschreibung wird nachträglich geändert
Der Termin, den Sie sich notiert haben, ist nicht unbedingt der Termin, der gilt. 509 der 5'235 Ausschreibungen — 9,7 % — wurden berichtigt, und 283 davon verschoben die Eingabefrist. Das ist mehr als jede zwanzigste Ausschreibung überhaupt und mehr als die Hälfte aller Berichtigungen.
Verschoben wird dabei meist nach hinten, was harmlos klingt. Die Gefahr liegt in der anderen Richtung: Eine vorgezogene Frist bemerkt nur, wer die Publikation erneut ansieht — und niemand sieht eine Ausschreibung erneut an, die er schon gelesen hat.
Dazu kommt, was in keiner Änderungsliste steht: 368 Berichtigungen tragen einen Freitext, und genau dort stehen ausgetauschte Unterlagen. Die strukturierte Liste der geänderten Felder kennt nur Felder der Publikation, nie die Beilagen. „Bitte verwenden Sie das überarbeitete Preisblatt" ist eine Bemerkung, keine Feldänderung — wer nur auf die Liste schaut, rechnet mit der alten Datei weiter.
Und wenn gar nicht mehr gerechnet werden muss
475 Schweizer Verfahren wurden 2026 abgebrochen oder widerrufen. Der häufigste ausdrücklich genannte Grund: kein Angebot erfüllte die Anforderungen (93 Fälle), dicht gefolgt von „die Angebote erlauben keine wirtschaftliche Beschaffung" (75). Ein Abbruch kommt oft vor Fristende — der teure Fall, weil man bis dahin gerechnet hat.
Alle Zahlen dieses Beitrags stammen aus dem Bestand, den Tenderis seit dem 1. Juli 2024 von simap.ch erfasst; Stand 21. September 2026. Gezählt sind die 5'235 Publikationen der Meldungsart „Ausschreibung" mit Publikationsdatum im Jahr 2026 — ohne Zuschläge, Direktvergaben und Voranzeigen. Fristen über 400 Tagen sind als Erfassungsfehler ausgeschlossen.
Termine, die in keiner Publikation stehen
Neben den publizierten Terminen gibt es die eigenen, und sie sind es, an denen Abgaben knapp werden:
- Interne Abgabe an die Person, die das Angebot durchsieht.
- Rückmeldefrist für Partnerfirmen und Subunternehmer — inklusive deren Nachweise.
- Zeitpunkt, an dem Zertifikate und Auszüge bestellt werden müssen, wenn sie ein Ausstellungsdatum brauchen.
- Freigabe durch die Geschäftsleitung.
Diese Termine kennt niemand ausser Ihnen — sie gehören deshalb in dieselbe Übersicht wie die publizierten, nicht in einen zweiten Kalender.
Wenn die Unterlagen nicht bei Simap liegen
Ein zusätzlicher Zeitverlust entsteht, wenn die Unterlagen erst auf einer Drittplattform beschafft oder per E-Mail angefordert werden müssen — bei rund jeder zehnten Schweizer Ausschreibung. Registrierung und Freischaltung kosten Tage, in denen die Fragefrist weiterläuft. Mehr dazu in der Vollerhebung über 5'235 Ausschreibungen.
Wie lang die einzelnen Fristen mindestens sein müssen, hängt von Verfahrensart, Auftragswert und anwendbarem Recht ab. Massgeblich sind die Termine der konkreten Publikation. Dieser Text beschreibt den Ablauf, nicht die Rechtslage.